Pressemitteilung (pn): Hochwasser: Fluch oder Segen für Fische ? |
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Die gestaltende Kraft der Hochwasser ist seit Jahrtausenden wesentliche Voraussetzung zur Entstehung und Regeneration immer wieder neuer, geeigneter Lebensräume für Gewässerorganismen, insbesondere für Flussfische....
Durch technischen Gewässerausbau, Wasserkraftnutzung und Regulierung der bayerischen Gewässer, die Abkoppelung und Nutzung der ehemaligen Flussauen sowie die Verrohrung vieler kleiner Gewässerläufe sind aus den eigentlichen Vorteilen eines Hochwassers heute erhebliche Nachteile für die Fische entstanden.
„Den Fischen fehlen heute weitgehend natürliche Flucht- und Rückzugsräume in Seitengewässern, Auen oder strömungsberuhigten Abschnitten, die für eine intakte Gewässerlandschaft typisch wären und bei Hochwasser überlebenswichtig sind“, so Prof. Dr.- Ing. Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern e. V.
Durch Flächenversiegelung, Verlust der Moore und Feuchtflächen, Siedlungsentwicklung in
Überschwemmungsgebieten sowie Intensivlandwirtschaft entlang der Flüsse und Bäche wird kaum noch Wasser in der Landschaft zurückgehalten. Mit dem Verlust der Wasserrückhaltefähigkeit in der Landschaft steigen die Hochwasserscheitel, die Abfluss- geschwindigkeit und parallel die Hochwassergefahr.
Wegen der vielfach fehlenden Fischlebensräume wird Hochwasser auch für die Fische zum Problem. „Eine Renaturierung der Flüsse und die Wiederherstellung von Auebereichen ist damit im Interesse der Natur-, sprich auch der Fische und des Hochwasserschutzes erforderlich“, so Göttle.
Ebenso wichtig ist die Durchgängigkeit an vorhandenen Wanderbarrieren, wie etwa Wehranlagen. Werden Fische bei Hochwasser stromab verdriftet, ist aufgrund dieser Hindernisse
eine Rückwanderung stromauf heute häufig nicht möglich. Der Fischbestand oberhalb dieser Barrieren wird so mit jedem Hochwasser sukzessive ausgedünnt. In der Wasserwirtschaft gibt es mittlerweile sehr gute Beispiele, Ökologie und Hochwasserschutz in Einklang zu bringen.
„An renaturierten Fluss abschnitten, wie etwa der Isar in München, haben Mensch und
Fisch bei Hochwasser ein gutes Auskommen.“, weiß Willi Ruff, aktiver Fischer und Vizepräsident des Landesfischereiverbands Bayern e. V. Intelligente Hochwasserschutz-Konzepte schaffen im Gegensatz zu rein technischen Maßnahmen vielfältige neue Fisch-Lebensräume und sind trotzdem wirksam. In Anbetracht der Millionen-Schäden, die das aktuelle Hochwasser in Bayern erzeugt hat, ist eine Reduzierung des Flächenverbrauchs und wo möglich eine Entsiegelung verbauter Flächen zum besseren Rückhalt des Wassers in der Fläche zwingend nötig.
Dies gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund aktueller Klimaprognosen, die in Zukunft häufigere und extremere Hochwasserereignisse in Bayern erwarten lassen.
Infos, Zahlen, Fakten
In Bayern gibt es rund 70 Fischarten, etwa 50 davon sind Flussfischarten. 90% der bayerischen
Flussfischarten finden sich auf der roten Liste.
Jeweils über 90 % der natürlichen Überschwemmungsflächen an Donau, Isar, Inn, Iller, Lech
und Wertach stehen laut Bundesamt für Naturschutz nicht mehr zur Verfügung. Als Hauptgründe
hierfür sind Gewässerausbau sowie Flächenverbrauch sowie der bisher angewandte Hochwasserschutz genannt.
Derzeit gelten etwa 85% der bayerischen Fließgewässer als „künstlich verändert“. Ökologisch
orientierte Hochwasserschutz-Maßnahmen können einen Beitrag leisten, diesen Anteil zu senken.
Ein Beitrag, bspw. zur bayerischen Biodiversitätsstrategie, ist möglich und zudem wünschenswert.
Bereits 2002 hat die bayerische Staatsregierung im „Aktionsprogramm 2020“ Ziele für einen
ökologisch nachhaltigen Hochwasserschutz definiert.
In bayerischen Fließgewässern gibt es derzeit rund 30.000 amtlich festgestellte Querbauwerke, dieals Wanderbarrieren für Fische wirken. Die Schätzungen der Experten belaufen sich auf rund 70.000 Querbauwerke.
Der Landesfischereiverband Bayern ist Verband der bayerischen Angel- und Berufsfischer und
verfügt derzeit über rund 130.000 Mitglieder.
Der Landesfischereiverband Bayern e. V. ist anerkannter Naturschutzverband.
| Details | |
| Kategorie: | Sonstiges |
| Eingetragen am: | 06.06.2013 11:08 | | Quelle: | Landesfischereiverband Bayern e.V. |
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