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Pressemitteilung (pn):
Warum immer ich - oder was hab ich, was die nicht haben?

Man geht durch die Fußgängerzone einer beliebigen bayrischen Stadt. Je größer desto anonymer. Denkt man. Denn es gibt einzelne Individuen, die sich gar sehr für das Zwischenmenschliche zu interessieren scheinen....

Aber gerade diese Menschen wecken in mir nur eine Emotion...

...BLANKE WUT!

Diese Zwischenmenschlichkeit strahlt keinerlei Wärme, Mitgefühl oder sonstige allgemein als positiv empfundene Emotion aus, sondern wahlweise Entsetzen, Sprachlosigkeit und Neugier aus. Meistens aber eine Mischung daraus, gewiss gemischt mit anderen Emotionen, ich sehe leider nicht in diese Menschen hinein.
Aber genau das ist es, was SIE zu versuchen scheinen, wenn sie mich angaffen.
Der erste Gedanke ist natürlich 'hab ich mich vorhin beim Kaffeetrinken doch angeschüttet?!' Oder 'verdammt, hab ich mich beim Hände abtrocknen indiskret angetropft?!' Beherzte, doch unauffällig prüfende Blicke beruhigen mich. Was mich zwar nicht direkt beunruhigt, aber doch verwundert. Gleichzeitig erwächst innere Schadenfreude. Ich hoffe jedesmal, dass sie einen Laternenpfahl übersehn, oder zumindest einen unscheinbaren Papierkorb, weil ihre Köpfe sich mir immer weiter nach mir umdrehen. Sollen SIE doch sehen, viel mehr übersehen, was sie davon haben. Leider warte ich noch immer auf diesen befreienden Moment, der das ganze Szenario bedauerlicherweise jedes Mal wieder spannend macht.
Ich bin kein Psychologe, der dieses Phänomen der Hinterherschauer wissenschaftlich analysieren könnte, dennoch versuche ich es zumeist auf meine eigene ganz und gar unwissenschaftliche Weise zu durchschaue. Generell erster Gedanke der Analyse: 'Seh ich wirklich so gut aus?' 'Meist aber schnell von 'Warum machen das dann nur alte Omas?!' SO alt seh ich doch nun wirklich nicht aus. Oder doch? Anflüge erster Selbstzweifel räumt das Ego dann glücklicherweise zur Seite, die Erinnerung an diesen gutaussehenden jungen Mann im Spiegel tut ihr übriges. Jedenfalls.. zurück zur Analyse! Nächster Gedanke: 'liegt wohl an den Haaren.' Zugegeben, diese waren bis vor kurzem ungewöhnlich, da kaputt und und zu filzigen Strähnen verkommen. Zusammen mit dem Bart hatte ich zugegeben etwas von Hagrid. Hier war die Analyse dann meistens zu Ende, da die Antwort hinreichend plausibel erschien und mit einem abschließenden 'das sind die einfach nicht gewohnt' wandten sich die Gedanken dann der gutaussehenden Blondine vor mir zu, deren Outfit farblich erstaunlich gut zu meinem Parkettboden passte, oder wahlweise einer, bzw. etwas anderem zu.
Nach knapp 4 Jahren hab ich mich aber doch von meinen Zotteln getrennt und bin zur Fleischmütze übergegangen, die langsam aber sicher überwuchert und vor allem unter einem topmodischen Cap verborgen ist. Der Bart kam auch unters Messer und erstarkt gekürzt und in Form geschnitten von neuem. Auf ersten Fotos wurde ich für den Rapper Curse gehalten, gemessen am intellektuellen Gehalt seiner Texte eigentlich nicht schlecht fürs Erste.
Dachte ich. Denn die Probe aufs Exempel, Schauplatz Stachus samt angrenzender Fußgängerzone. Ohne Hintergedanken, wie der neue Look auf die Umwelt wirkt ziehe ich gutgelaunt los und urplötzlich sehe ich ES, genaugenommen SIE! Eine ältere Dame, gutbürgerlich gekleidet, vollkommen unscheinbar und doch zieht sie sich in diesem Moment mehr Wut auf sich als George Bush, als die ersten zivilen Opfer im Irak zu beklagen waren. Superman hätte mich mit seinen Blicken glatt in zwei Teile geschnitten, sie mich nur von oben bis unten gemustert. Meine Gedanken haben sich da schon um einen Laternenmast gedreht, nichts hätte ich ihr sehnlicher in den Weg gewünscht. Außer vielleicht einen Rechen. Allerdings vergebens. Etwas enttäuscht wende ich mich der Analyse zu.
Same procedure as every year, bis der Punkt mir den Haaren kommt. Da eröffnen sich völlig neue Gesichtspunkte, denn sie konnte meine Haare im besten Fall erahnen. Im Gegesatz zu früher hebe ich mich nun nicht großartig von der Masse ab. Nicht an einem Freitag Nachmittag mitten in München. Trotz Bart. Nun kommen sich völlig neue Gedanken auf; primär 'es waren wohl nicht die Haare.'
Kaum zuende gedacht, wurde jeglicher Gedankengang abrupt unterbrochen, als sich das Ereignis von gerade eben wiederholt. Nur dass die anfängliche Wut genauso schnell verflogen war, wie sie aufgetreten ist. Ihr Grund war geschätzte 30 Jahre jünger als noch vor wenigen Minuten und um einiges knackiger. Das war aber nicht der Grund, warum die Wut schnell wieder weg war, genausowenig, wie die Tatsache, dass auch ihr Outfit zu meinem Fußboden gepasst hätte. Es war eher der Mangel an Pikiertheit in ihrem Blick und für einen Moment fühle ich mich wie Brad Pitt auf dem roten Teppich.
Alle Gedanken, die ich in diesem Moment habe aufzuschreiben würde den Rahmen sprengen, nur der Gedanke als ich dem Laternenpfahl ausweiche sei hier erwähnt: 'was hab ich, was die nicht haben?!'

Details
Kategorie:Sonstiges
Eingetragen am:25.09.2007 10:43

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