Leserbrief (pn): Der Papst in der Kritik - Gedanken eines Pfarrers |
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Gedanken zur Exkommunikation der vier Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius durch Papst Benedikt XVI. am 21.1.2009 - Vielleicht tut ein beruhigter Blick in dieser Zeit ganz gut...
1. Was ist geschehen?
Papst Benedikt XVI. hat die Exkommunikation von vier Bischöfen der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ aufgehoben – und zwar auf deren Bitten hin und dem Versprechen, die Autorität des Papstes anzuerkennen.
Geschichtlicher Hintergrund ist die unerlaubte Weihe dieser Bischöfe am 1. Juli 1988 durch Erbischof Marcel Levefre. Vergleichbar ist es mit einem Kirchenaustritt hier bei uns in Deutschland, damit exkommuniziert sich jemand selbst. Und wenn dann jemand kommt, um wieder in die Kirche eintreten zu wollen, dann spreche ich ihn – nach Bevollmächtigung durch den Bischof – von der Exkommunikation los. Voraussetzung für einen solchen Akt ist: jemand muss den Schritt des Kirchenaustritts bereuen und glaubhaft Kund tun, dass er wieder in die Kirche eintreten will – andere Lebensäußerungen fallen nicht ins Gewicht. Und wenn der Grund für die Exkommunikation wegfällt, gibt es eigentlich kirchenrechtlich keinen Grund, ihm die Lossprechung zu verweigern.
Ähnlich war es bei den vier Bischöfen: Durch die Erklärung, dass ihnen der Schritt von 1988 leid täte und sie die Autorität des Papstes anerkennen fällt automatisch der Grund für die Exkommunikation weg – sie sind wieder Mitglieder der Kirche, nicht mehr und nicht weniger.
2. Was bedeutet das?
Diese vier Bischöfe sind deswegen nicht „rehabilitiert“ – zum einen gibt es den Ausdruck im Kirchenrecht nicht, zum anderen sind sie durch die Rücknahme der Exkommunikation zunächst ganz „normale Mitglieder“ der Kirche. Das will sagen: Sie sind weiterhin suspendiert, d.h. die Ausübung ihres Amtes (wie die Spendung der Sakramente) ist ihnen untersagt. Damit können sie auch nicht im Namen der Kirche sprechen und handeln, wohl aber kann damit der Papst versuchen, Einfluss auf sie zu nehmen, weil sie sich ja seiner Autorität unterstellt haben.
3. Welcher Fehler ist passiert?
Papst Benedikt XVI. hat zunächst gehandelt, wie Jesus im Evangelium: „Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?“ Wer ihm das zum Vorwurf macht, muss wissen, dass er damit das Evangelium kritisiert!
Es war und ist ja nie das Ziel des Papstes gewesen, mit der Aufhebung der Exkommunikation antisemitisches Gedankengut in die Kirche hereinzuholen. Alles andere ist eine böswillige Unterstellung. Wir dürfen Benedikt XVI. wohl unterstellen, dass es ihm in seinen Bemühungen darum gegangen ist, dass er die Mitglieder der Priesterbruderschaft ja genau dazu bewegen will, die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils anzuerkennen – und damit auch das, was in „Nostra aetate“ und in „Lumen Gentium steht“: andere Christen, Juden, Muslime, Anders- wie auch Nichtglaubende sind auf Gottes Wahrheit hingeordnet, insofern sie sich bemühen, ein gerechtes Leben zu führen. Für dieses Ziel war die Aufhebung der Exkommunikation ein erster Schritt, denn erst dadurch unterstehen die Bischöfe der Primatsgewalt des Papstes. Fazit: Bis jetzt ist eigentlich noch kein inhaltlicher Fehler zu erkennen!
4. Woran lag es?
Eindeutig im zeitlichen Zusammenfallen der Veröffentlichung der päpstlichen Dekrete mit dem Interview vom Bischof Williamson. Inwiefern dies arrangiert war, darüber wird wohl nur spekuliert werden können. Scheinbar war es die fehlende Kommunikation innerhalb der Dikasterien des Vatikan, vielmehr aber war es die ausufernde böse Absicht, mit diesem organisatorischen Fehler dem Papst Heuchlerei und Lüge zu unterstellen.
Ich nehme meine Behauptung aus allen Schriften und Äußerungen, die Josef Ratzinger als Papst jemals über den Holocaust und die Schoa gemacht hat. Diese sind eindeutig und geben wohl selbst innerhalb des Zentralrats der Juden keinen Grund für irgendeine Beanstandung.
Diese Äußerungen sind alle öffentlich, manche waren zum Zeitpunkt des beginnenden medialen Wirbelsturms noch keine Woche alt und hätten auch einer Deutschen Bundeskanzlerin vorliegen müssen.
Sicher gab es irgendwann auch den Zeitpunkt, zu dem man die Absicht des Papstes, die Traditionalisten wieder in die Kirche und zur Lehre der Kirche zurück zu führen und sie damit zur Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils zu bewegen, ins Gegenteil verkehrte. Dann wurden Begriffe verwendet, die zum einen in der Sprache des Kirchlichen Rechtes nicht vorkommen oder die zum anderen mit dem Geschehenen auch nicht andeutungsweise in Beziehung zu bringen sind .
5. Was kann der Papst im Augenblick tun
Ich befürchte, dass ihm im Augenblick die Hände gebunden sind – und das ist ihm im Augenblick wohl eine ungeheure Last seines Petrusamtes, um die ihn niemand beneidet. Der Vatikan hat die Panne zugegeben, es gab eine Erklärung des Staatssekretariates, in dem noch einmal die eindeutige Position des Papstes zum Ausdruck kam und das muss doch wohl genügen.
Eine Rücknahme der Aufhebung des Dekretes ist rechtlich nicht möglich; ein Priester kann eine Absolution zu einem späteren Zeitpunkt auch nicht mehr zurück nehmen. Freilich gäbe es kirchenrechtlich die Möglichkeit, wieder eine Kirchenstrafe auszusprechen, wenn Herr Williamson den Anweisungen des Papstes nicht Folge leistet.
Inwieweit das Gespräch mit der Priesterbruderschaft aufgrund der während der Auseinandersetzung getätigten Äußerungen von Seiten der Priesterbruderschaft überhaupt noch Sinn macht, das wird sicher an höherer Stelle jetzt gut abgewogen werden. Im Blick auf Konsequenzen für die Römische Kurie, in der ich ganz gewiss nicht zu Hause hin, braucht der Papst keinen Ratschlag – weder kirchenintern noch von Seiten der Politik.
Ich vertraue ihm auch jetzt und auch weiterhin und bin überzeugt, dass er auch weiterhin seine Sache gut macht. Vielleicht war es in den letzten drei Jahren zu gut und die, die auf der Welle der Begeisterung mit schwammen, versuchten ihn jetzt in eben dieser Welle zu ertränken. Ich vertraue auf das Wort des Alten Testamentes: „Wenn der Sturm daherbraust, ist der Frevler verloren, der Gerechte ist fest gegründet für immer.“
Frank Faulhaber
Stadtpfarrer
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| Kategorie: | Sonstiges |
| Eingetragen am: | 16.02.2009 21:36 |
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